Von ISPEX
Seit inzwischen 4 Jahren diskutieren wir im ISPEX Klimafrühstück monatlich verschiedene Anforderungen an betriebliches Energie- und Klimamanagement, analysieren technische Grundlagen, diskutieren konkrete Vorlagen und geben praxisnahe Tipps zur Umsetzung in Ihrem Unternehmen.
Mit der Themenserie „Klimawirkung in der Praxis: Vom Mindset über Geschäftsmodell und Einkauf“ in Kooperation mit der Polymundo AG weiten wir den Blick und bringen neue Perspektiven und Erfahrungen aus der Praxis zusammen.
In Vorbereitung auf die Veranstaltungsreihe haben wir Marina Schmitz (Polymundo AG) gebeten, die geplanten Themen in einem Gastbeitrag einzuordnen.
Gastbeitrag von Marina Schmitz (Polymundo AG)
Die Kunst der Kurskorrektur: Warum echte Klimawirkung Mut zum kleinen Schritt braucht
Stellen Sie sich ein Schiff auf dem offenen Ozean vor. Wenn der Kapitän oder die Kapitänin den Kurs nur um ein einziges Grad verändert, merkt an Bord zunächst niemand einen Unterschied. Die Wellen schlagen gleich, das Deck vibriert wie immer. Doch nach tausend Seemeilen macht dieses eine Grad den Unterschied aus, ob das Schiff den sicheren Hafen erreicht oder hunderte Kilometer davon entfernt im Nirgendwo landet.
In der Wirtschaft ist es ähnlich: Wir warten oft auf das eine, alles verändernde Manöver – die radikale Innovation oder das komplett neue Geschäftsmodell. Dabei übersehen wir die riskanteste aller Strategien: den Stillstand. Denn was passiert eigentlich, wenn nichts passiert? Wenn wir die Segel so lassen, wie sie sind, während sich die Strömungen von Regulatorik, Kund:innenwünschen und Lieferketten bereits massiv gedreht haben? Nichts zu tun ist in einer sich verändernden Welt kein „Sichergehen“, sondern ein aktives Driften in die Irrelevanz.
Klimaschutz in Unternehmen wird heute oft in zwei Sackgassen gedacht: Entweder er ist so gigantisch, dass er lähmt – oder er ist so eng gefasst, dass er in der reinen Verwaltung von Excel-Tabellen und Reporting-Pflichten erstickt. In der Praxis liegt der wirksamste Weg dazwischen. Warum also nicht einfach mal über kleine Veränderungen nachdenken? Transformation ist kein Ereignis, das eines Tages „fertig“ ist. Sie beginnt dort, wo Menschen, Entscheidungen und Routinen sich tatsächlich bewegen lassen.
Genau darum geht es zum Auftakt unserer Reihe „Klimawirkung in der Praxis: Vom Mindset über Geschäftsmodell und Einkauf“ am 10. April. Mit dem Impuls „Change Management fürs Klima: Mit kleinen Schritten in Richtung Transformation“ werfen wir einen Blick auf die Mechanik der Veränderung.
Echte Klimawirkung entsteht nämlich nicht zuerst auf dem Papier eines Nachhaltigkeitsberichts, sondern im Maschinenraum des Unternehmensalltags. In der Art, wie Ziele gesetzt werden. Wie über Investitionen entschieden wird. Welche Fragen im Einkauf gestellt werden und welche Zielkonflikte Führungskräfte offen ansprechen – oder eben verschweigen. Der Mittelstand weiß heute sehr genau, dass er handeln muss. Die regulatorischen Anforderungen steigen, der Druck entlang der Wertschöpfungskette nimmt zu. Dass die Umsetzung oft zäh bleibt, liegt selten an fehlendem Wissen. Es liegt daran, dass Veränderung bedeutet, liebgewonnene Denkmuster und die vermeintliche Sicherheit des „Haben wir schon immer so gemacht“ loszulassen.
Change Management fürs Klima ist deshalb kein weiches „Wohlfühlthema“. Es ist die harte Voraussetzung für Wettbewerbsfähigkeit. Wer Emissionen senken oder Lieferketten resilient aufstellen will, braucht mehr als Ambition. Es braucht die Fähigkeit, das Unternehmen als gestaltbares System zu begreifen, das verschiedene Wege in die Zukunft gehen kann. Es braucht Verantwortlichkeiten, die Übersetzung in die Fachbereiche und vor allem: anschlussfähige erste Schritte.
Diese ersten Schritte werden oft unterschätzt. Dabei entscheiden sie darüber, ob Klimastrategie als abstraktes Belastungsprojekt wahrgenommen wird – oder als machbarer, intelligenter Veränderungsprozess. Kleine Schritte sind dann nicht klein, wenn sie Muster verändern: wenn ein Team CO2-Daten nicht nur verwaltet, sondern als Entscheidungskriterium nutzt; wenn Führungskräfte Verantwortung übernehmen, statt sie zu delegieren; wenn aus isolierten Projekten echte Zusammenarbeit entsteht.
Am 10. April schauen wir uns an, wie aus guten Vorsätzen belastbare Praxis wird. Welche Rolle spielt die innere Haltung? Wie lassen sich Widerstände produktiv nutzen? Und wie schafft man Fortschritt, ohne auf den „perfekten“ Masterplan zu warten? Dieser Termin bildet das Fundament der Serie, denn wer Klimawirkung ernst nimmt, muss drei Ebenen verzahnen: die Haltung des Einzelnen, die neue Logik zukunftsfähiger Geschäftsmodelle und die konkreten Hebel in den Funktionsbereichen.
Am 8. Mai rückt mit Samuel Waldeck, Shift GmbH, die Zirkularität fürs Klima in den Fokus. Dann geht es um die Frage, wie Klimawirkung nicht erst am Ende einer Kette adressiert wird, sondern bereits in Designentscheidungen, Produktkonzepten und Beschaffungslogiken angelegt ist. Zirkularität ist dabei weit mehr als Recycling. Sie fordert Unternehmen heraus, Produkte anders zu entwickeln, Materialströme neu zu denken und Geschäftsmodelle auf Langlebigkeit, Reparierbarkeit und Ressourceneffizienz auszurichten. Wer Klima- und Ressourcenthemen zusammendenkt, erkennt schnell: Die entscheidenden Hebel liegen nicht nur in der Effizienz des Bestehenden, sondern im Design des Zukünftigen.
Am 12. Juni folgt mit Prof. Dr. habil. Lisa Fröhlich, ispira Think Tank für nachhaltige Lieferketten, die dritte Perspektive: Einkauf als Klima-Hebel. Hier wird deutlich, warum der Einkauf in vielen Unternehmen eine Schlüsselrolle für die Transformation spielt. Denn ein großer Teil der Klimawirkung entsteht nicht im eigenen Werkstor, sondern in der vor- und nachgelagerten Wertschöpfung. Lieferantensteuerung, Ausschreibungskriterien, Zusammenarbeit mit Partnern und die grundsätzliche Logik von Kosten, Risiko und Resilienz entscheiden mit darüber, ob Klimaziele realistisch sind oder bloße Absicht bleiben. Der Einkauf wird damit vom operativen Beschaffer zum strategischen Transformationsakteur.
Die Stärke der Reihe liegt genau in dieser Verbindung. Sie zeigt Klimawirkung nicht als Spezialdisziplin, sondern als Führungs-, Design- und Beschaffungsaufgabe. Wer den Auftakt zum Change Management versteht, erkennt die Voraussetzung dafür, Zirkularität und neue Einkaufslogiken überhaupt wirksam umzusetzen. Und wer Einkauf und Geschäftsmodell neu denken will, braucht die Veränderungsfähigkeit, die am Anfang aufgebaut werden muss.
So ist der Termin am 10. April mehr als ein Einstieg. Er ist der praktische Ausgangspunkt für eine entscheidende Frage: Wie kommen Unternehmen vom Wissen ins Tun? Die Antwort ist selten spektakulär, aber hoch wirksam. Nicht mit Perfektion. Nicht mit einem einzelnen Leuchtturmprojekt. Sondern mit einer Veränderungslogik, die Menschen mitnimmt, Strukturen verändert und Schritt für Schritt Richtung Transformation führt.
Wer heute Klimawirkung in der Praxis gestalten will, braucht deshalb beides: den Blick für das große Ziel und die Bereitschaft, konkret anzufangen. Genau dazu lädt diese Reihe ein.
Autorenprofil
Marina Schmitz ist Nachhaltigkeitsexpertin bei der Polymundo AG. Sie begleitet vor allem KMU auf ihrem Weg zu mehr Nachhaltigkeit und arbeitet an der Schnittstelle von Führung, Kultur und Nachhaltigkeit als Hebel der Transformation. Ihr besonderer Fokus liegt auf innovativen Zukünftemethodiken als Instrumente für organisationales Umdenken und nachhaltiges Wirtschaften. Dabei verbindet sie systemische Personal- und Unternehmensentwicklung mit transformativen Methoden und sucht gezielt den Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis.
Weitere Informationen finden Sie unter Klimawirkung in der Praxis – ISPEX
Marina Schmitz