Im Interview mit UnternehmerLand gibt Dr. Manuel Becher, Geschäftsführer der Bayreuth Marketing & Tourismus GmbH, Einblicke in die aktuellen Chancen sowie Herausforderungen des Tourismus-, Kultur- und Veranstaltungsstandorts Bayreuth und zeigt auf, wie kulturelle Alleinstellungsmerkmale, internationale Aufmerksamkeit und ein gezielter Ausbau der touristischen Infrastruktur die Attraktivität der Stadt langfristig stärken können.
Herr Dr. Becher, welche größten Herausforderungen sehen Sie aktuell für den Tourismus-, Kultur- und Veranstaltungsstandort Bayreuth?
Dr. Manuel Becher: Der Tourismus hat in den vergangenen zehn Jahren einen starken Aufschwung erlebt. Die Übernachtungszahlen sind um knapp 50 % gestiegen und auch die Anzahl der Tagesgäste scheint sich ähnlich entwickelt zu haben. Das Ziel muss es jetzt sein, die Anzahl der Gäste vor allem in den touristischen Randzeiten weiterhin zu steigern und damit die Wertschöpfung aus dem Tourismus ganzjährig zu sichern.
Bayreuth verfügt mit den Richard-Wagner-Festspielen, dem UNESCO-Welterbe Markgräfliches Opernhaus und einer vielfältigen Kulturlandschaft über starke Alleinstellungsmerkmale. Welche Chancen ergeben sich daraus für die zukünftige Entwicklung der Stadt?
Dr. Manuel Becher: Diese Alleinstellungsmerkmale sind die Grundlage für ein erfolgreiches Tourismusmanagement. Jede Destination braucht Reiseanlässe, die Menschen dazu bewegen, die Destination zu besuchen. Auch wenn die Richard Wagner Festspiele nach wie vor das Aushängeschild für Bayreuth sind, bieten die übrigen Highlights Chancen auf einen erfolgreichen Ganzjahrestourismus.
Das Reiseverhalten verändert sich zunehmend – Gäste erwarten digitale Angebote, individuelle Erlebnisse und nachhaltige Konzepte. Wo sehen Sie aktuell den größten Handlungsbedarf für den Tourismus in Bayreuth?
Dr. Manuel Becher: Bayreuth ist hier in vielen Punkten sehr gut aufgestellt. Die meisten touristischen Aktivitäten lassen sich online buchen und das Angebot vor Ort wird zunehmend digital. Beispielhaft sei hier die neu eröffnete Brauwerkstatt auf dem Maisel & Friends Areal erwähnt, in der man die Möglichkeit hat, individuelle Bieretiketten zu gestalten und zu drucken. Seit dieser Saison gibt es auch ein digitales Entdeckungsspiel für Familien, mit dem man Bayreuth interaktiv erleben kann.
Die Bayreuther Festspiele prägen den Tourismus der Stadt seit 150 Jahren. Was bedeutet dieses Jubiläum aus Ihrer Sicht für Bayreuth – nicht nur kulturell, sondern auch wirtschaftlich?“
Dr. Manuel Becher: Die Festspiele spülen jedes Jahr viele Millionen Euro in die Stadt. Die Festspielgäste, aber auch die zahlreichen Mitwirkenden sorgen jährlich für eine Sonderkonjunktur. Entscheidend dabei ist, dass die Wertschöpfung nicht nur durch die zusätzliche Anzahl an Gästen steigt, sondern auch durch die geringere Preissensibilität der Festspielgäste. Die geben im Durchschnitt weitaus mehr Geld pro Aufenthaltstag aus als ein Gast im übrigen Jahresablauf.
Wie kann Bayreuth die internationale Aufmerksamkeit rund um das Festspieljubiläum nutzen, um auch langfristig neue Gäste für die Stadt zu gewinnen?
Dr. Manuel Becher: Mit der Aufnahme von Bayreuth in die 52 places to visit in 2026 durch die New York Times, die mit dem Festspieljubiläum begründet wurde, hat Bayreuth sehr viel Aufmerksamkeit gewonnen. Auch eine Pressekonferenz, die die BMTG in der Mailänder Scala anlässlich des Jubiläums veranstaltet hat, hat zu einem Medienecho geführt, das knapp sechs Millionen Italiener erreicht hat. Diese Aufmerksamkeit muss nun genutzt werden, um aus der Bekanntheitssteigerung einen konkreten Reisewunsch zu machen. Und dafür ist die BMTG zuständig.
Bayreuth steht im Wettbewerb mit zahlreichen Kultur- und Tourismusdestinationen. Wodurch kann sich die Stadt aus Ihrer Sicht künftig noch stärker profilieren?
Dr. Manuel Becher: Bayreuth kann sich nach wie vor als Hidden Champion bezeichnen. Vor allem im internationalen Kontext waren bisher weit weniger Besucher in Bayreuth als in Städten wie Rothenburg oder Weimar. Es gilt nun, Bayreuth als Geheimtipp zu vermarkten. Denn der Wunsch der Besucher, etwas zu entdecken, was der Nachbar oder der Sportkamerad noch nicht kennt, ist sehr groß.
Bayreuth möchte nicht nur Gäste begeistern, sondern auch Menschen dauerhaft für die Stadt gewinnen. Was macht Bayreuth aus Ihrer Sicht besonders attraktiv als Lebens-, Studien- und Arbeitsort?
Dr. Manuel Becher: Das lässt sich an drei Faktoren festmachen. Bayreuth verfügt über eine angenehme Größe, so dass lange Wege zum Arbeitsplatz oder zu anderen Aktivitäten nahezu unbekannt sind. Gleichzeitig ist das Freizeitangebot in der Stadt weitaus attraktiver als man es von einer Stadt mit 75.000 Einwohnern erwartet. Und letztlich sind die Lebenshaltungskosten nach wie vor geringer als in Ballungsräumen. Hinzu kommen die Sicherheit in der Stadt und die wunderbare Lage zwischen Fichtelgebirge und Fränkischer Schweiz.
Wenn Sie einen Blick in die Zukunft werfen: Wie sieht für Sie das Bayreuth des Jahres 2035 aus?
Dr. Manuel Becher: Bayreuth wird sich in den nächsten Jahren weiter in eine attraktive Destination und einen lebenswerten Standort entwickeln. Die Weichen sind gestellt und der Zug hat sich in Bewegung gesetzt. Die Stadt wird auch weiterhin stark von der Uni und Unternehmen wie zum Beispiel Cybex oder Medi profitieren, die nicht nur zur Wertschöpfung beitragen, sondern der Stadt etwas Großstadtflair geben. Durch einen weiteren Ausbau der touristischen Infrastruktur wird die Stadt weiter an Attraktivität gewinnen, ohne dabei das Risiko von Overtourism einzugehen. Es ist noch viel Platz bei uns.
Welches Potenzial Bayreuths begeistert Sie persönlich aktuell am meisten?
Dr. Manuel Becher: Die Entwicklungschancen von Bayreuth sind überdurchschnittlich groß. Die Lage ist hervorragend und die Stadt bewegt sich in die richtige Richtung. Eine engere Verflechtung von Stadt, Wirtschaft und Uni kann diese Entwicklung beschleunigen.