„Die Frage lautet nicht mehr, ob KI – sondern wo wir sinnvoll anfangen“
Interview

„Die Frage lautet nicht mehr, ob KI – sondern wo wir sinnvoll anfangen“

29. Juli 2026

Interview mit Prof. Dr.-Ing. Niklas Kühl, Universität Bayreuth und Fraunhofer FIT, über die Twin Transformation und den Einstieg für oberfränkische Unternehmen.


Herr Prof. Kühl, Sie haben beim KI-Zukunftstag Nordbayern die Keynote gehalten. Was haben Sie aus den Gesprächen mit den Unternehmerinnen und Unternehmern mitgenommen?

Prof. Dr.-Ing. Niklas Kühl: Drei Dinge. Erstens: Die Frage lautet nicht mehr „ob KI“, sondern „wo fangen wir sinnvoll an“. Fast alle setzen inzwischen Assistenzsysteme im Büro ein. Der eigentlich schwierige Schritt kommt danach – Anwendungsfälle zu finden, die mit tiefer Integration echten Mehrwert heben.

Zweitens: Nachhaltigkeit wird (leider) vor allem als Pflicht erlebt, getrieben von Berichtspflichten und Kundenanforderungen. Dass sich dieselben Daten auch ökonomisch nutzen lassen, etwa bei Energie oder Ausschuss, ist noch eher selten.

Und drittens: Der Wunsch nach ehrlichem Austausch ist enorm. Die Unternehmen wollen keine Hochglanz-Use-Cases von Konzernen, sondern wissen, was bei vergleichbaren Betrieben funktioniert hat. Genau deshalb bauen wir unsere Formate um Praxisberichte und anwendbare wissenschaftliche Methodik herum – auch den UBT AI Day, den wir am 25. September 2026 an der Universität Bayreuth ausrichten und uns über zahlreiche Anmeldungen freuen.

Sie sprechen von der „Twin Transformation“ – der Verbindung von Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Warum gehören beide Themen zusammen?

Prof. Dr.-Ing. Niklas Kühl: Weil beide auf derselben Grundlage aufsetzen: auf Daten und funktionierenden Prozessen. Wer einen CO₂-Fußabdruck auf Produktebene ausweisen oder künftig einen digitalen Produktpass bedienen will, braucht digitale Strukturen. Ohne Digitalisierung bleibt Nachhaltigkeit oft eine Schätzung.

Umgekehrt liefert Nachhaltigkeit der Digitalisierung den Business Case: Energiemonitoring rechnet sich über eingesparte Kilowattstunden – und erzeugt nebenbei genau die Datenqualität, die der Bericht ohnehin verlangt.

Der Fraunhofer-Forschungscampus Twin Transformation bietet Formate von der kostenlosen Community bis zum Industrieprojekt. Wo steigt man am unkompliziertesten ein?

Prof. Dr.-Ing. Niklas Kühl: Der einfachste Startpunkt ist immer die Community: kostenfrei, unverbindlich, mit Zugang zu Veranstaltungen, Arbeitskreisen und Ergebnissen aus dem Campus. Man kann erst einmal zuhören und prüfen, welche Themen zum eigenen Betrieb passen. Wer konkreter werden möchte, ohne gleich ein großes Projekt aufzusetzen, wählt die Aktivpartnerschaft – kleine Formate, individuell zugeschnitten.

Stark nachgefragt ist derzeit der Arbeitskreis „KI und Automatisierung in der Organisation“. Dort geht es um Fragen wie: Welche Büro- und Verwaltungsprozesse eignen sich überhaupt für Automatisierung? Was leisten KI-Assistenten und agentische Systeme realistisch – und wo braucht es weiterhin den Menschen in der Verantwortung? Der Mehrwert liegt im Format: vertraulicher Austausch zwischen Unternehmen, wissenschaftlich moderiert, mit echten Fällen statt Folienwissen.

Welchen Mehrwert können Unternehmen erwarten – und warum lohnt sich der Einstieg gerade jetzt?

Prof. Dr.-Ing. Niklas Kühl: Der Mehrwert liegt in drei Dimensionen:

1. Wissenschaftliche Nähe: Über Fraunhofer FIT und Fraunhofer IPA kommen aktuelle Forschungsergebnisse direkt ins Unternehmen.

2. Austausch auf Augenhöhe: Die Community versammelt Unternehmen mit ähnlichen Fragestellungen in einem vertraulichen Raum.

3. Zugang zu Talenten: Die Nachwuchskräfte, die wir an der Universität Bayreuth und in unseren Instituten ausbilden, suchen genau solche Projekte.

Warum jetzt? Weil sich das Zeitfenster schließt, in dem KI ein Differenzierungsmerkmal ist. Wer jetzt Kompetenz und Datengrundlagen aufbaut, gestaltet mit; wer wartet, holt später unter Kostendruck auf. Ein niedrigschwelliger Anlass, damit anzufangen, ist der UBT AI Day am 25. September 2026 in Bayreuth: ein Tag, an dem Forschung und oberfränkische Praxis zusammenkommen – und an dem man sehr schnell merkt, wo der eigene Betrieb steht.

„Das Zeitfenster, in dem KI ein Differenzierungsmerkmal ist, schließt sich. Wer jetzt Kompetenz und Datengrundlagen aufbaut, gestaltet mit.“

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