„Grüner“ Wasserstoff – Was ist das und was mache ich damit?

„Grüner“ Wasserstoff – Was ist das und was mache ich damit?

6. August 2026

Von Andy Gradel

Teaser: „Grünen“ Wasserstoff gibt es nicht, er ist immer farblos.

Egal ob Industrie, Verkehr oder sogar Kraftwerkstechnik – Wasserstoff ist einer der größten Hoffnungsträger für die Energiewende. Nachdem der große Hype jedoch von der Ernüchterung vieler scheiternder Projekte eingeholt wurde, ist die Branche derzeit in der sogenannten Realitätsphase.

Ein paar Rückschläge sind aber kein Argument gegen Wasserstoff, sie sind völlig normal bei disruptiven Technologien. Einer der Gründe sind die noch hohen Kosten für Anlagentechnik und Energiequellen, die erneuerbaren Wasserstoff eben nicht ab Tag Eins überall wirtschaftlich machen.

Im Fokus steht meist die Elektrolyse, die sich derzeit in der Skalierung befindet und die nun mal am Strompreis hängt. In Summe hat sich bei Projekten der letzten Jahre häufig ein Zielwert von < 10 €/kg in der Herstellung eingestellt. Das entspricht bis zu 30 ct/kWh Energie und lässt ahnen, wo die Reise (nicht) hingeht.

Wo gehört er denn nun hin, der „grüne“ Wasserstoff?

Um diese Frage zu beantworten, muss man die Märkte und deren Mechanismen näher betrachten. Im Stahlwerk ist man gewohnt, weniger als 3 ct/kWh für den Energieträger Kohle zu bezahlen, das liegt selbst bei 5 € pro kg Wasserstoff noch um den Faktor 5 daneben.

Chemieparks zahlen für die kWh Erdgas rund 5 ct, der Mittelstand meist 7-12. Da klafft eine Lücke, die geschlossen werden will. Bezahlen wir für einen Liter Diesel 1,50 €, entspricht das 15 ct/kWh. Hinzu kommt, dass Wasserstofffahrzeuge nur 60 – 70 % der Energie ihres Dieselpendants benötigen. Hier wird es also interessant.

Die unterschiedlichen Märkte haben zudem politische Ausgleichsmechanismen wie Klimaschutzverträge oder den THG-Quotenhandel. Letzterer verpflichtet die Treibstoffindustrie zu festen Quoten erneuerbarer Kraftstoffe und hat durch hohe Pönalen einen finanziellen Hebel, der die Produktionskosten selbst übersteigen kann. Soll heißen: Wir können erneuerbaren Wasserstoff herstellen und bekommen beim Vertanken Geld dafür, dass er den durch Diesel entstehenden Umweltschaden verhindert.

Eine persönliche Einschätzung, die nicht jeder teilen muss: Der Verkehr lässt sich durch den gleichzeitigen Einsatz von Batterie- und Wasserstofffahrzeugen deutlich schneller dekarbonisieren und hat die notwendige Zahlungskraft, den Hochlauf zu finanzieren. In 20 Jahren wird Batterietechnik und Stromnetz deutlich mehr stemmen können. Dann sind die Anlagen bezahlt, der Strom günstig und der Wasserstoff kann auch dorthin, wo das Geld knapper sitzt.

Biogas statt Strom als Quelle – Der Biowein im Wasserstoffregal

Wir haben 2020 in Hof die BtX energy GmbH gegründet und 2025 nach Bindlach umgezogen, um dem (grünen) Wasserstoffmarkt ein neues Gesicht zu geben. Derzeit sind wir weltweit technologieführend in der Produktion von Wasserstoff aus biogenen Reststoffen. Dieser bietet die Möglichkeit der THG-negativen Wasserstoffproduktion, z.B. aus Gülle und Mist in Biogasanlagen. Durch den THG-Quotenhandel ist das besonders interessant für Bus- und LKW-Flotten, wo Wasserstoff so schnell extrem wirtschaftlich wird. Gleichermaßen kann er fossilen Wasserstoff ersetzten, wo dieser benötigt wird und dabei die dreifache Emissionsminderung erreichen.

Vorteile beim Einsatz von grünem (Bio-)Wasserstoff im Unternehmen

Mit Wasserstoff fahren ist ein Traum. Tanken wie beim Diesel, Leistung wie beim Batteriefahrzeug, Klimabilanz immer nahe 0 (nicht wie beim Laden mit Netzstrom) oder sogar negativ. Und – man glaubt es kaum – der Tankstellenpreis für Wasserstoff ist der Einzige, der in den letzten 6 Monaten gesunken ist. Warum? Weil das brandneue THG-Quotensystem jetzt erste Wirkung zeigt.

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