Oberfranken: „Region der Macherinnen und Macher“
Interview

Oberfranken: „Region der Macherinnen und Macher“

3. Juni 2026

Im Interview mit UnternehmerLand gibt Wolfram Brehm, Hauptgeschäftsführer der IHK für Oberfranken Bayreuth, Einblicke in die größten Herausforderungen für Unternehmen in Oberfranken und zeigt auf, wie Künstliche Intelligenz, Weiterbildung und verlässliche Rahmenbedingungen die Wettbewerbsfähigkeit der Region nachhaltig stärken können.

Herr Brehm, vor welchen größten Herausforderungen stehen die Unternehmen in Oberfranken aktuell?
 
Wolfram Brehm: 
Viele Unternehmen kämpfen mit Bürokratie, steigenden Kosten und volatilen Energiepreisen. Dazu kommen große Unsicherheiten im internationalen Geschäft, etwa durch Lieferengpässe oder gestiegene Kosten für Rohstoffe. Die Digitalisierung fordert zusätzliche Investitionen und Umstellungen – gerade für kleinere und mittlere Unternehmen. Ein weiteres Thema ist der steigende Wettbewerbsdruck aus dem In- und Ausland. Viele Betriebe stehen vor der Herausforderung, wie sie langfristig wirtschaftlich bleiben und zugleich nachhaltig wachsen können. Unternehmen brauchen dabei verlässliche politische Rahmenbedingungen und schnelle, unbürokratische Lösungen.

Welche Chancen sehen Sie durch Künstliche Intelligenz speziell für kleine und mittelständische Unternehmen in Oberfranken?

Wolfram Brehm: Künstliche Intelligenz eröffnet enorme Chancen für kleine und mittelständische Firmen. Sie können Prozesse automatisieren, Kosten senken und die Produktivität steigern. KI hilft, Kundenbedürfnisse besser zu verstehen und Geschäftsmodelle zu optimieren. Gerade für Mittelständler, die flexibel bleiben wollen, ist KI ein wichtiger Hebel für die Zukunft. Wenn Oberfranken jetzt investiert, kann die Region zum Vorreiter intelligenter Technologien werden. Allerdings braucht es niederschwellige Unterstützungsangebote und eine praxisnahe Begleitung. Die IHK macht sich dafür stark, dass auch kleinere Betriebe an diesem Wandel teilhaben. Nur wenn wir kleine Unternehmen gezielt bei der Einführung von KI fördern, nutzen wir das volle Potenzial der Region. Das Ziel muss sein, die Chancen für alle zugänglich zu machen und die Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu sichern.

Viele Unternehmen beschäftigen Themen wie Digitalisierung, Datenschutz und Cybersecurity. Wo sehen Sie hier den größten Handlungsbedarf?

Wolfram Brehm: Cyberangriffe werden immer raffinierter, sodass Unternehmen ihre Systeme und sensiblen Informationen noch besser schützen müssen. Gleichzeitig müssen Betriebe bei der Digitalisierung auf eine gute Balance zwischen Innovation und Sicherheit achten. Wir beobachten, dass vor allem kleinere Betriebe bei der IT-Sicherheit hinterherhinken. Es braucht mehr Aufklärung und gezielte Unterstützung, damit Daten und Systeme besser geschützt werden. Bereits seit 2015 arbeiten wir mit der Handwerkskammer, der IHK zu Coburg und dem Polizeipräsidium eng zusammen, um unsere Unternehmen im Falle von Cyberattacken zu unterstützen.

Mit dem neuen IHK-Campus investieren Sie stark in Bildung und Weiterbildung. Welche Bedeutung hat lebenslanges Lernen heute für Unternehmen und  Mitarbeitende?

Wolfram Brehm: Lebenslanges Lernen ist zur Grundvoraussetzung geworden, um am Ball zu bleiben. Wer mit neuen Technologien mithalten will, muss ständig dazu lernen – das gilt für Chefs und Mitarbeitende gleichermaßen. Unser Campus setzt genau dort an und macht passgenaue Qualifizierung möglich. Insgesamt investieren wir 12,5 Millionen Euro in die Zukunft Oberfrankens, enthalten sind knapp 4,2 Millionen Euro EU-Förderung in Form von EFRE-Mitteln. 

Der Fachkräftemangel bleibt für viele Betriebe ein zentrales Thema. Wie kann es gelingen, junge Menschen stärker für Ausbildung und Karrierechancen in der Region zu begeistern?

Wolfram Brehm: Berufliche und akademische Bildung sind längst absolut gleichwertig. Oft sind es die Eltern, die ihren Nachwuchs in ein Studium drängen. Die Gleichwertigkeit beziehe sich dabei nicht nur auf die Karrieremöglichkeiten, sondern auch auf die Verdienstchancen und die Personalverantwortung. Um junge Menschen für Ausbildung und berufliche Perspektiven in der Region zu gewinnen, braucht es gezielte und moderne Ansätze, auch im Bereich der Weiterbildung. Dafür ist der entstehende IHK-Campus ein wichtiger Baustein.

Welche politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wünschen sich die Unternehmen in Oberfranken derzeit am dringendsten?

Wolfram Brehm: Die Unternehmen brauchen weniger Bürokratie, stabile Energiepreise, schnellere Genehmigungsverfahren und mehr Planungssicherheit Die Politik muss Krisen entschlossen begegnen und die Wirtschaft verlässlich entlasten.

Welches Potenzial der Region Oberfranken begeistert Sie persönlich aktuell am meisten?

Wolfram Brehm: Mich begeistert, wie Unternehmerinnen und Unternehmer aus Oberfranken Innovationskraft und Bodenständigkeit verbinden. Wir sind eine Region der Macherinnen und Macher. Sowohl die Zahl der Hidden Leader als auch die Zahl der Patentanmeldungen liegen deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Deswegen ist mir um die Zukunft unseres Wirtschaftsraumes nicht bange – man muss unsere Unternehmen nur machen lassen und darf ihnen nicht ständig neue Hindernisse in den Weg legen.

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