Kurz zusammengefasst: OpenClaw 2.0 macht KI-Agenten einfacher bedienbar, besser erinnerungsfähig und teamtauglicher. Wer bereits ein funktionierendes System wie Hermes nutzt, sollte trotzdem nicht vorschnell wechseln. Sinnvoller ist ein begrenzter Praxistest mit klaren Erfolgskriterien.
OpenClaw hat am 30. August 2026 die Version 2026.8.1 veröffentlicht und nennt sie OpenClaw 2.0. Nach Angaben des Projekts ist es die größte Überarbeitung seit Bestehen: 933 Mitwirkende, darunter 569 neue Beitragende, haben an mehr als 16.000 Pull Requests gearbeitet.[1][2]
Die große Zahl allein ist noch kein Nutzen. Entscheidend ist, was sich für Unternehmen tatsächlich verändert.
Aus Technik wird ein besser bedienbares Arbeitswerkzeug
Die wichtigste Neuerung ist nicht ein neues KI-Modell. OpenClaw versucht, aus vielen technischen Einzelteilen eine zusammenhängende Arbeitsumgebung zu machen.
Die Einrichtung erkennt vorhandene unterstützte ChatGPT-, Codex- oder Claude-Zugänge, API-Schlüssel und lokale Modelle. Die ausgewählte Verbindung wird getestet, bevor sie gespeichert wird. Unnötige Schritte wurden aus dem Erststart entfernt.[2]
Auch die Web-Oberfläche wurde neu aufgebaut. Gespräche stehen im Mittelpunkt. Vor dem Start lassen sich Agent, Modell, Arbeitsbereich und Ausführungsrechner auswählen. Während der Arbeit werden aufgerufene Werkzeuge, Ergebnisse, Dateiänderungen und Freigaben verständlicher dargestellt.[2]
Für Unternehmer ist das relevant: Je weniger Spezialwissen für die tägliche Bedienung nötig ist, desto eher lässt sich ein Agent in reale Abläufe integrieren.
Der Agent erinnert sich besser
OpenClaw 2.0 kann in persönlichen Installationen relevante Inhalte aus anderen privaten Gesprächen wiederfinden. Gruppen, Kanäle und andere Agenten bleiben außen vor. Unternehmen können diese Funktion außerdem über die Trennung direkter Nachrichten begrenzen.[5]
Das ist nützlich, wenn ein Agent wiederkehrende Entscheidungen, Projekte oder Präferenzen kennen soll. Es birgt aber auch Risiken: Falsch zugeordnete Erinnerung kann eine Antwort in die falsche Richtung lenken. Zudem kostet die zusätzliche Suche Zeit und gegebenenfalls Modellbudget.
Die richtige Frage lautet deshalb nicht: „Hat das System Memory?“ Sondern: „Kann ich nachvollziehen, welche Information wann in eine Entscheidung eingeflossen ist?“
Neue Skills und Automationen
Mit dem Skill Workshop kann OpenClaw aus wiederkehrender Arbeit einen prüfbaren Prozessvorschlag erstellen. Dieser Vorschlag lässt sich ansehen, ändern, freigeben, ablehnen oder in Quarantäne halten. Kritische Hinweise auf Prompt Injection sollen die Aktivierung blockieren.[2]
Auch wiederkehrende Aufgaben wurden aufgewertet. Automationen lassen sich in der Oberfläche anlegen, klonen, starten, pausieren und überwachen. Zeitpläne, manuelle Starts, Neustart-Nachholungen und begrenzte Skripte werden einheitlicher verwaltet.[2]
Das ist für Unternehmen interessanter als ein weiterer Chatbot: Ein Agent wird dann wertvoll, wenn er einen Prozess zuverlässig wiederholt und Fehler sichtbar macht.
Zusammenarbeit und verteilte Arbeit
OpenClaw kann Arbeit auf dem eigenen Gateway, einem gekoppelten Rechner oder einem temporären Cloud-Worker ausführen. Das zentrale Gateway behält den Gesprächsverlauf, die Zugangsdaten und den zuletzt abgeglichenen Arbeitsstand.[6]
Gemeinsame Sessions ermöglichen Rollen, Präsenz und Übergaben. OpenClaw weist jedoch ausdrücklich darauf hin, dass ein gemeinsamer Gateway keine sichere Mandantentrennung für gegenseitig nicht vertrauenswürdige Nutzer ist. Unterschiedliche Unternehmen oder Vertrauensbereiche brauchen getrennte Instanzen.[4]
Für eine interne Arbeitsgruppe kann die neue Zusammenarbeit sehr nützlich sein. Für eine Plattform mit vielen unabhängigen Kunden reicht sie als Sicherheitsarchitektur nicht aus.
Die wichtigsten Vorteile
- deutlich modernere und verständlichere Web-Oberfläche,
- schnelleres Onboarding,
- bessere Gesprächs- und Projektkontinuität,
- kontrollierbares Lernen über Skills,
- stärkere Automationen,
- gemeinsame Sessions und verteilte Ausführung,
- Open Source unter MIT-Lizenz.[2][8]
Die wichtigsten Nachteile
- sehr großer Versionssprung mit entsprechendem Testbedarf,
- notwendige SQLite-Migration für bestehende Sessions,
- Downgrade nur mit vorbereitetem Rückfallweg,
- weiterhin anspruchsvoller Betrieb von Gateway, Plugins, Geräten und Berechtigungen,
- direkte Host-Ausführung bleibt Standard, wenn kein Sandboxing eingerichtet ist,
- lokaler Secret Store ist laut Release nicht verschlüsselt gespeichert,
- kein sicherer Mehrmandantenbetrieb in einem gemeinsamen Gateway.[2][4][7]
OpenClaw 2.0 statt Hermes?
Ein Wechsel ist keine Frage der Anzahl von Features. Entscheidend ist, welches System die eigenen Prozesse zuverlässiger trägt.
OpenClaw 2.0 ist besonders attraktiv, wenn mehrere Personen an einer Live-Session arbeiten, Browser und Terminal in einer Oberfläche zusammenkommen oder Aufträge zwischen verschiedenen Rechnern und Cloud-Workern wechseln sollen.[2][6]
Hermes bleibt stark bei organisationsspezifischen Skills, kuratierter Erinnerung, parallelen Subagenten und flexiblen Ausführungsumgebungen. Frühere Gespräche werden in SQLite gespeichert und über FTS5 durchsucht; Skills können als umfangreiche Wissensbasis organisiert und schrittweise geladen werden.[11][14] Isolierte Subagenten lassen sich parallel ausführen und während der Arbeit beobachten oder steuern.[16]
Wer bereits ein stabiles Hermes-System betreibt, gewinnt durch einen Komplettwechsel deshalb nicht automatisch etwas.
Meine Empfehlung: testen statt migrieren
OpenClaw 2.0 verdient einen neuen Blick. Aber nicht auf Kosten eines laufenden Systems.
Ein sinnvoller Pilot dauert etwa zwei Wochen und nutzt drei reale, aber nicht kritische Aufgaben:
- eine Recherche mit mehreren Quellen und Freigabeschritten,
- eine wiederkehrende Aufgabe mit Fehlerbehandlung,
- einen Prozess, bei dem Erinnerung und ein wiederverwendbarer Skill wichtig sind.
Bewertet werden Erfolgsquote, Bearbeitungszeit, Modellkosten, manuelle Eingriffe, Wiederanlauf nach Neustart und administrativer Aufwand. Erst danach wird pro Prozess entschieden.
Das nüchterne Fazit lautet: OpenClaw 2.0 ist deutlich besser geworden. Ein Wechsel kann sich für bestimmte Anwendungsfälle lohnen. Für funktionierende Hermes-Installationen ist ein paralleler, isolierter Test derzeit die bessere unternehmerische Entscheidung.
Mit Unterstützung von KI erstellt.
Andreas Gräbner